Azoren
Berühmt durch das Azoren-Hoch
Die Inselgruppe der
Azoren
(Ilhas dos Acores) besteht aus neun portugiesischen Atlantikinseln, die etwa 1.500 km westlich von Europa und 3.600 km östlich von Nordamerika liegen. Sie haben eine Fläche von ca. 2.300 qkm mit ca. 238.000 Einwohnern. Aufgrund ihrer geographischen Lage unterteilen sich die Azoren in drei Gruppen: Im Südosten
Santa Maria
und
Sao Miguel
, die Mittelgruppe mit
Terceira
,
Graciosa
,
Sao Jorge
,
Pico
und
Faial
und im Nordwesten
Flores
und
Corvo
. Seit 1976 sind die Azoren autonom und besitzen eine eigene Regierung. Verwaltungstechnisch bilden die Azoren eine Region Portugals, die Regiao Autonoma dos Acores. Trotz ihrer weiten Entfernung vom europäischen Festland sind sie als portugiesische Inseln der Europäischen Union zugehörig. Viele Menschen sprechen außer portugiesisch auch sehr gut englisch oder französisch.
Die Inseln sind bekannt durch das
Azoren Hoch
und aufgrund ihrer geographischen Lage wetterbestimmend für Europa. Das berühmte Azoren-Hoch entsteht durch Luftmassen, die in der Äquatorregion erwärmt werden und aufsteigen, dabei jedoch abkühlen und in Breiten wie denen der Azoren wieder sinken.
Der Golfstrom sichert den Inseln ein ausgeglichenes Klima mit milden Wintern und warmen, aber nicht sehr heißen Sommern und mit mittleren Temperaturen zwischen 13°C im Februar und 23°C im August. Die Luftfeuchtigkeit ist relativ hoch, die Niederschläge variieren von ca. 960mm bis 1400mm. Die jahresdurchschnittliche Sonnenscheindauer ist sehr hoch und beträgt ca. 1600 Stunden.
Die Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftszweig der Azoren. Vieh- und Milchwirtschaft haben ihren Stellenwert bis heute erhalten. Butter und Käse werden exportiert, Käse von Sao Jorge oder Flores gelten als über die Grenzen Portugals hinaus als bekannte und edle Delikatessen. Einige Bedeutung hat auch der Fischfang, insbesondere Thunfisch wird hier in Konservenfabriken hergestellt. Andere Fischarten dienen hauptsächlich der Versorgung der lokalen Restaurants. Der Walfang ist in Portugal und den dazugehörenden Azoren durch ein internationales Artenschutzgesetz stark eingeschränkt. Mit Subventionen der Europäischen Union wurden in den letzten Jahren auf Sao Miguel der Anbau und die Verarbeitung von Tabak, Zucker und Tee unterstützt.
Eine Welt für sich
Wer Ruhe und Erholung sucht, ist auf den Azoren mitten im Atlantik bestens aufgehoben. Tiefblaue Seen, kräftiges Grün, bunte Blumen, hohe Klippen, Gebirge und Vulkane und heiße Quellen machen die Inseln zu einem Paradies für Wanderer und Entdecker. Die Vegetation ist sehr vielfältig, neben rund 50 endemischen Arten wurden zahlreiche andere Pflanzen und Bäume aus aller Welt eingeführt und erscheinen in einer faszinierenden Blumenpracht. Juli blühen tiefblaue Hortensien in endlos langen Hecken entlang der Straßen und Felder. An den zahlreichen Aussichtspunkten der Küste ergeben sich grandiose Ausblicke auf die vielfältige Landschaft und deren eindrucksvollen Farben. Dazu die beschaulichen Orte und die Gemütlichkeit und Freundlichkeit der einheimischen Bevölkerung - die Azoren sind ein interessantes Reiseziel ohne Massentourismus und lassen den Urlaub zu einem Erlebnis werden. Wer das städtische Leben sucht, findet in Ponta Delgada, Angra do Heroismo oder Horta auch Gelegenheit zum Ausgehen und Einkaufen. Die Monate Mai bis Oktober bieten sich durchaus auch für einen Badeurlaub an - kleine Sandstrände, Naturschwimmbecken und das kristallklare Wasser laden zum Schwimmen und Tauchen ein. Das milde Klima der Azoren bietet auch beste Voraussetzungen für viele Sportarten wie Golf, Tennis, Tauchen, Jagen und Angeln. Besonders in der Gegend um Pico Faial und Sao Jorge kann man speziell ausgerüstete Boote mit erfahrener Besatzung mieten und Fischarten fangen, die Rekordgewichte erreichen. Mehrere Golfplätze auf den Inseln Terceira und Sao Miguel und weitere im Bau befindliche Anlagen bieten sportliche Aktivitäten in gesunder und grüner Natur. Die etwa 20 verschieden Arten von Meeressäugetieren machen die Azoren inmitten des Atlantiks zu einem echten Natur-Aquarium. Beliebt unter Touristen ist „Whale Watching“, dem friedlichen Beobachten der grandiosen Wale auf ehemaligen Fischerbooten vor den Küsten der Azoren.
Sao Miguel
Die Insel Sao Miguel ist das Eingangstor zu den Azoren. Auf ihr lebt knapp die Hälfte aller Einwohner. Die Hauptstadt
Ponta Delgada
verfügt mit dem internationalen Flughafen über direkte Verbindungen nach Lissabon, Madeira und die USA. Mit rund 65.000 Einwohnern ist sie eine Metropole mit kleinstädtischem Flair und gut erschlossenem Tourismus. Kleine bis mittelgroße Hotels und Pensionen stehen in ausreichender Anzahl für jeden Geschmack zur Verfügung und Leihwagen zur Erkundung der Insel lassen sich problemlos mieten.
Ponta Delgada hat einen geschäftigen Hafen und das lebendige Bild der Stadt lädt zum Verweilen und zum Erkunden der Sehenswürdigkeiten ein. Die Burg aus dem 16ten Jahrhundert diente früher der Verteidigung gegen die Korsaren. Vor allem die Igreja de Sao Jose und die prächtige Igreja Martiz de Sao Sebastiao sind sehenswerte Kirchen. Besuchenswert ist auch der im 17. Jahrhundert erbaute Conceicao-Palast. Ribeira Grande ist eine hübsche Stadt mit einem herrlichen Strand und mehreren interessanten Bauwerken, darunter einem Rathaus aus der Renaissance. Viele Ortschaften reizen durch ihre Beschaulichkeit und einige sehenswerte kleine Kirchen. Die Capela de Santa Barbara im Fischerdorf Povocao ist das älteste Gotteshaus der Insel. Sao Miguel bietet mit dem Tal von Furnas mit seinen heißen Quellen und dem Thermalzentrum beste Bedingungen zur Erholung und Entspannung. Die Kraterseen der Sete Cidades sind eines der erstaunlichsten Naturwunder der Azoren. Der eine erscheint tiefblau, der andere dunkelgrün und beide stellen wohl die bedeutensde touristische Attraktion der Insel dar.
Sao Miguel ist sicherlich die abwechslungsreichste und empfehlenswerteste der Inseln. Der Urlauber findet hier Gelegenheit den Reiz der Inseln in seiner Gesamtheit zu erleben und zu entdecken.
Faial
Mit 15.000 Einwohnern ist Faial die fünftgrößte Azoreninsel. Internationales Flair bietet der Hafen von
Horta
. Im prächtigen Yachthafen, treffen sich im Sommer hunderte Segler aus aller Welt. Sehenswert sind der imposante, steil abfallende Krater der Caldeira und die Vulkanlandschaft im Westen der Insel. Atemberaubend ist der Blick von Horta über die kilometerlange, breite Meerenge nach Pico. Der über 1.000 Meter hohe Berg Cabeco Gordo lässt sich in ausgedehnten Wanderungen erkunden. Im Westen zeugen Aschefelder von den vulkanischen Kräften, im Osten bei Almoxarife ziehen herrliche Strände die Badeurlauber an. Im Norden der Insel lohnt sich die Besichtigung der Käsereien, die Portugal mit dem bekannten Flamengo-Käse versorgen.
Faial ist das ideale Urlaubsziel zur Erholung, zum Wandern in Natur, oder einfach wegen seiner schönen Sandstrände. Wegen der Fülle der im Sommer blühenden Hortensien wird Faial auch die „Blaue Insel“ genannt.
Pico
Die zweitgrößte Insel der Azoren ist Pico mit etwa 15.000 Einwohnern. Ihr Hauptort ist
Madalena
. Die reizvolle, unberührte Natur und das einsame Hochland mit seinen sumpfigen Seen umgeben den gleichnamigen Berg Pico. Aus der Tiefe des Atlantiks erhebt sich dieser mit 2.351 Metern als höchster Berg Portugals. An der Küste reizt die wilde Natur mit Urwäldern, Klippen, Höhlen und Buchten mit Naturschwimmbecken. Lohnenswert ist eine Probe des einheimischen Weins Verdelho. Das Walfangmuseum in Lajes do Pico ist ebenfalls interessant. Tagesausflüge von Faial aus sind möglich, es gibt eine Verbindung von Horta nach Madalena.
Terceira
Neben Sao Miguel und Faial ist Terceira mit rund 50.000 Einwohnern die bedeutendste Azoreninsel. Die Hauptstadt
Angra do Heroismo
war wichtiger Stützpunkt im Kolonialhandel und gab der Stadt ihre herrschaftlichen und prunkvollen Bauten. Kirchen, Klöster, Herrenhäuser in barocker Architektur und die alte Festung Sao Joao Baptista liegen in einer wunderschönen Bucht und stehen unter UNESCO-Schutz. Ein wahres Spektakel ist der unblutige „Stierkampf am Strick“, das von der Bevölkerung als Volksfest mit Wein und Gebratenem gefeiert wird. Reizvoll ist eine Wanderung in den erloschenen Vulkankrater, den Algar do Carvao im Herzen der Insel. Der Weinort Biscoitos mit seinen zahlreichen Lavapools und einem Weinmuseum sind neben den Tropfsteinhöhlen ein lohnendes Ausflugsziel. Allabendlich genießt man die Farben des herrlichen Sonnenuntergangs, die der Insel Terceira den Namen „lila Insel“ geben.
Weitere Inseln der Azoren
Sao Jorge ist die bergigste der Azoren-Inseln und erhebt sich als Eiland steil aus dem Atlantik. Ihre wilde Vegetation, Kraterseen und traumhafte Ausblicke auf Pico verleihen der Insel ihren Charme. Die Inselhauptstadt
Velas
ist umgeben von Zedernwäldern und malerischen Dörfern. Sao Jorge ist für seine Molkereiprodukte bekannt, Obst- und Weinbau werden ebenfalls betrieben.
Die Insel Graciosa bezaubert ihre Besucher mit spektakulären Klippen und Felsen. Zahlreiche heiße Quellen entlang der Küste bieten Wanderern immer wieder interessante Eindrücke. Ein besonderes Erlebnis bieten auch der Abstieg zum Krater der Caldeira mit der atemberaubenden Höhle Furnado Enxofre und ein Besuch der heißen Quellen im Badehaus der Ortschaft Carapacho. In der kleinen Hauptstadt
Santa Cruz
befinden sich noch Gebäude aus dem 18. Jahrhundert. Die Insel hat eine sehr beschauliche und freundliche Atmosphäre, die den Feriengästen den Aufenthalt noch verschönert.
Santa Maria gilt als kleine Schwester Sao Miguels und ihre Strände gelten als die schönsten der Inseln, die Sandstrände von Sao Lourenco und Praia sind bekannt als die „Algarve der Azoren“.
Vila do Porto
bietet einige Sehenswürdigkeiten, vor allem die Pfarrkirche aus dem 15. Jahrhundert und das heutige Rathaus, ein ehemaliges Kloster aus dem 16. Jahrhundert.
Die beiden Inseln im Osten sind kaum touristisch erschlossen und wegen der Entfernung nur per Flugzeug zu erreichen. Hier wird noch eine langsame Gangart im Einklang mit der Natur gelebt. Wer die Einsamkeit sucht, wird hier bestens bedient. Das Leben der Bewohner wird vom Fischfang und der Landwirtschaft geprägt. Corvo, die kleinste Insel der Azoren, wird von nur rund 300 Menschen bewohnt. Der Vulkan nimmt den größten Teil der Insel ein. Flores ist westlichster Punkt Europas und ist, wie ihr Name verrät, geprägt von einer Vielfalt an Blumenarten. Sie ist allerdings die regenreichste Insel.

